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Stand: 13.09.2019

Pressemitteilung

Ehrenamt Hospizbegleiter

Sterbenden eine Stütze sein – kann ich das?

Kreis Düren. Krankheit, Sterben, Tod und Trauer sind Bestandteile eines jeden Lebens. In der letzten Lebensphase unterstützen rund 100 qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ambulanten Caritas-Hospizdienstes die Erkrankten und die sie begleitenden Menschen im Umgang mit ihren Sorgen, Ängsten, Erwartungen und Wünschen.

Nach einem einjährigen "Befähigungskurs" der durch die professionellen Koordinatorinnen des Hospizdienstes geleitet wird, übernehmen Freiwillige die anspruchsvolle Aufgabe, einen kranken, sterbenden Menschen auf seinem letzten Wegstück zu begleiten.

Die hautamtlichen Koordinatorinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiter verstehen sich als Ansprechpartner für Menschen, die an einer weit fortgeschrittenen und weiter fortschreitenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden und deren Zu- und Angehörige. Das kostenfreie Angebot der Caritas bezieht sich in erster Linie auf Senioren- und Pflegeheime, aber auch auf den persönlichen Lebensraum. Die Information, Beratung und Begleitung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten, Pflegediensten, Nachbarschaftshilfen, Seelsorgern, Sozialarbeitern und Therapeuten.

Barbara Vollberg hatte sich mit dieser Frage im vergangenen Jahr auseinandergesetzt und das Für und Wider abgewogen. "Ich wollte gerne etwas von meiner Zeit verschenken. In der Zeitung las ich die Anzeige des Ambulanten Caritas-Hospizdienstes, der einen einjährigen Vorbereitungskurs für Interessierte zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung anbot." 

Nach einem interessanten Informationsgespräch mit den Hospizkoordinatorinnen Dagmar Amthor und Tine L. Quast nahm sie schließlich ab November am Kurs teil. Eine bunt gemischte Gruppe kam zusammen, sowohl mit Teilnehmern aus dem Umfeld der Pflege, als auch aus anderen Berufsfeldern, so wie Frau Vollberg. "Als beruflicher Zahlenmensch begab ich mich auf fremdes Terrain, auch wenn ich im Privaten schon reichlich Erfahrung mit Krankheit im familiären Umfeld und dem plötzlichen Tod meines Ehemannes machen musste. Vieles von den Inhalten des Kursangebotes war für mich neu und anders und ich hätte mir gewünscht, schon früher von manchen Dingen gehört zu haben. Aber, man lernt ja nie aus.

Einer meiner Hospizbegleitungen, eine Dame von 91 Jahren, war aufgeweckt, unterhielt sich sofort mit mir und wir hatten direkt einen guten Draht zueinander. Sie erzählte mir ganz vertraut von ihrer lieben Familie. Ich freute mich auf eine längere gemeinsame Zeit, in der wir uns besser hätten kennenlernen können, doch leider kam es dann ganz anders.
Bei meinem 2. Besuch war die Dame geistig rege, aber sichtbar körperlich hinfälliger. Sie saß am Tisch in ihrem Zimmer, wollte sich aber später lieber wieder hinlegen. Ich glaubte, die unerträgliche langanhaltende Hitze sei mitverantwortlich für ihre Zustandsverschlechterung. Sie bat mich, mich zu ihr aufs Bett zu setzen und ihre Hand zu halten. Das habe ich gerne gemacht und plötzlich meinte sie, dass es ihr leidtue, heute nicht sehr unterhaltsam zu sein. Da musste ich schmunzeln und antwortete ihr, dass ich ja eigentlich für sie und ihre Wünsche zuständig sei. Da hatte ich sie ins Herz geschlossen. Tage später, nach einem Kurzurlaub, erhielt ich abends den Anruf aus dem Pflegeheim, dass meine liebgewonnene Dame im Sterben liegen würde und bereits nicht mehr ansprechbar sei. Es tat mir unendlich leid, dass ich nicht früher zurück sein konnte.
Sonntagnachmittag traf ich dann im Pflegeheim auf die Angehörigen. Alle waren ziemlich erschöpft und aufgelöst und ich habe in Absprache mit ihnen alle zum Kraftschöpfen und Durchatmen nach Hause geschickt. Dann habe ich die Sitzwache am Sterbebett übernommen. Auch, wenn meine Dame nicht mehr ansprechbar war, weiß ich aus den Berichten und Erlebnissen aus der Caritas-Hospizgruppe, dass Sterbende mehr mitbekommen, als manch Anwesender denkt. Die Enkelin hatte sich dann wieder angekündigt und wollte ihre Großmutter durch die Nacht begleiten. Da stand mein Entschluss sofort fest, sie im Sterbeprozess nicht alleine zu lassen. Sie kam mit ihrem Bruder und diese zwei liebenden Menschen konnten dann gemeinsam um die sterbende Großmutter trauern. Ich habe versucht, sie durch Unterhaltung aufzumuntern, sie zu trösten und habe sie dann auch zu einem längeren Spaziergang rund um das Pflegeheim animiert mit dem Hinweis, ich wäre da und würde sofort anrufen, sobald sich eine Verschlechterung einstellen würde.
Bis 5 Uhr morgens haben wir gemeinsam gewacht, dann waren unsere Akkus leer und wir sind nach Hause gefahren. Oftmals können Menschen nach einem Verabschiedungsprozess erst sterben, wenn niemand bei ihnen ist, da sie die spürbare Traurigkeit ihrer Liebsten nicht aushalten. Das Pflegeheim teilte mir dann morgens mit, dass meine Dame um acht Uhr verstorben sei. Kurz danach rief mich dann auch die Enkelin an.
Berührend fand ich, dass sowohl die beiden Enkel, der älteste Sohn und die Schwiegertochter sich bei mir bedankt haben. Ich fragte an, ob ich an der Trauerfeier teilnehmen könnte und erhielt dann auch eine Todesanzeige. Zum Abschluss der Trauerfeier entzündeten alle Anwesenden ein zuvor am Eingang erhaltenes Teelicht und stellten es dann vor der Urne ab. Dies war auch mein persönlicher Abschluss für diese intensive Hospizbegleitung. Die Beisetzung fand dann zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis statt.

Mein persönliches Fazit: es war für mich eine kurze und beglückende Hospiz- beziehungsweise Sterbebegleitung. Mir kommt dabei zugute, dass ich sehr gut einen innerlichen Abstand halten kann, trotz all meines äußeren Mitgefühls für die Menschen, denen ich in diesem Prozess des Abschiednehmens begegnet bin" resümiert Barbara Vollberg.


Der nächste Hospizkurs startet am Montag, den 5. November 2018. Jeder Interessierte kann sich dazu ab sofort bei den Koordinatorinnen Dagmar Amthor und Tine Lago Quast unter der Telefonnummer 02461 / 622-6100 (mit Anrufbeantworter) oder 02421 / 481-84 anmelden. Sie erhalten dann eine Einladung zu einem unverbindlichen Einzelgespräch.
Ende August zieht das Büro des Ambulanten Caritas-Hospizdienstes nach 10 Jahren in Jülich in neue Räumlichkeiten in die Dürener Geschäftsstelle des Caritasverbandes.


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