Hospizdienst

Lebenswegbegleitung

Ambulante Hospizarbeit: informieren – beraten – begleiten

Unsere Koordinatorinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiter verstehen sich als Ansprechpartner für Menschen, die an einer weit fortgeschrittenen und weiter fortschreitenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden und deren Zu- und Angehörige. Unser kostenfreies Angebot bezieht sich primär auf Senioren- und Pflegeheime und sekundär auf den persönlichen Lebensraum. Die Information, Beratung und Begleitung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten, Pflegediensten, Nachbarschaftshilfen, Seelsorgern, Sozialarbeitern und Therapeuten.

Unser Angebot:

  • Psychosoziale Begleitung
  • Angebote zur Erhaltung der höchstmöglichen Lebensqualität
  • Beratung über die Möglichkeiten in der Palliativpflege und -medizin
  • Sozialrechtliche Information und Vermittlung zur Beratung von Inanspruchnahme von Hilfeleistungsangeboten, Vermittlung und Koordination von anderen sozialen Diensten
  • Seelsorglich-spirituelle Begleitung
  • Bildungsarbeit und qualifizierte Befähigung und Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Mitarbeiter
  • Trauerbegleitung in einem zeitlich begrenzten Rahmen
  • Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung

Erfahrungsberichte ehrenamtlicher Hospizbegleiter/innen

Erfahrungsbericht Barbara Vollberg

Barbara Vollberg

Sterbenden eine Stütze sein - kann ich das?

Das Ehrenamt im Caritas-Hospizdienst ist eine Herausforderung, aber auch eine erfüllende Aufgabe

31. August 2018

 

Nachttisch mit HabseligkeitenDie Gewissheit, nicht allein zu sein, spendet Trost.DCV/Anne Schönharting

Barbara Vollberg hatte sich mit dieser Frage im vergangenen Jahr auseinandergesetzt und das Für und Wider abgewogen. "Ich wollte gerne etwas von meiner Zeit verschenken. In der Zeitung las ich die Anzeige des Ambulanten Caritas-Hospizdienstes, der einen einjährigen Vorbereitungskurs für Interessierte zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung anbot." 

Nach einem interessanten Informationsgespräch mit den Hospizkoordinatorinnen Dagmar Amthor und Tine L. Quast nahm sie schließlich ab November 2017 am Kurs teil. Eine bunt gemischte Gruppe kam zusammen, sowohl mit Teilnehmern aus dem Umfeld der Pflege, als auch aus anderen Berufsfeldern, so wie Frau Vollberg. 

"Als beruflicher Zahlenmensch begab ich mich auf fremdes Terrain, auch wenn ich im Privaten schon reichlich Erfahrung mit Krankheit im familiären Umfeld und dem plötzlichen Tod meines Ehemannes machen musste. Vieles von den Inhalten des Kursangebotes war für mich neu und anders und ich hätte mir gewünscht, schon früher von manchen Dingen gehört zu haben. Aber, man lernt ja nie aus.

Einer meiner Hospizbegleitungen, eine Dame von 91 Jahren, war aufgeweckt, unterhielt sich sofort mit mir und wir hatten direkt einen guten Draht zueinander. Sie erzählte mir ganz vertraut von ihrer lieben Familie. Ich freute mich auf eine längere gemeinsame Zeit, in der wir uns besser hätten kennenlernen können, doch leider kam es dann ganz anders.

Bei meinem 2. Besuch war die Dame geistig rege, aber sichtbar körperlich hinfälliger. Sie saß am Tisch in ihrem Zimmer, wollte sich aber später lieber wieder hinlegen. Ich glaubte, die unerträgliche langanhaltende Hitze sei mitverantwortlich für ihre Zustandsverschlechterung. Sie bat mich, mich zu ihr aufs Bett zu setzen und ihre Hand zu halten. Das habe ich gerne gemacht und plötzlich meinte sie, dass es ihr leidtue, heute nicht sehr unterhaltsam zu sein. Da musste ich schmunzeln und antwortete ihr, dass ich ja eigentlich für sie und ihre Wünsche zuständig sei. Da hatte ich sie ins Herz geschlossen. Tage später, nach einem Kurzurlaub, erhielt ich abends den Anruf aus dem Pflegeheim, dass meine liebgewonnene Dame im Sterben liegen würde und bereits nicht mehr ansprechbar sei. Es tat mir unendlich leid, dass ich nicht früher zurück sein konnte.
Sonntagnachmittag traf ich dann im Pflegeheim auf die Angehörigen. Alle waren ziemlich erschöpft und aufgelöst und ich habe in Absprache mit ihnen alle zum Kraftschöpfen und Durchatmen nach Hause geschickt. Dann habe ich die Sitzwache am Sterbebett übernommen. Auch, wenn meine Dame nicht mehr ansprechbar war, weiß ich aus den Berichten und Erlebnissen aus der Caritas-Hospizgruppe, dass Sterbende mehr mitbekommen, als manch Anwesender denkt. Die Enkelin hatte sich dann wieder angekündigt und wollte ihre Großmutter durch die Nacht begleiten. Da stand mein Entschluss sofort fest, sie im Sterbeprozess nicht alleine zu lassen. Sie kam mit ihrem Bruder und diese zwei liebenden Menschen konnten dann gemeinsam um die sterbende Großmutter trauern. Ich habe versucht, sie durch Unterhaltung aufzumuntern, sie zu trösten und habe sie dann auch zu einem längeren Spaziergang rund um das Pflegeheim animiert mit dem Hinweis, ich wäre da und würde sofort anrufen, sobald sich eine Verschlechterung einstellen würde.

Bis 5 Uhr morgens haben wir gemeinsam gewacht, dann waren unsere Akkus leer und wir sind nach Hause gefahren. Oftmals können Menschen nach einem Verabschiedungsprozess erst sterben, wenn niemand bei ihnen ist, da sie die spürbare Traurigkeit ihrer Liebsten nicht aushalten. Das Pflegeheim teilte mir dann morgens mit, dass meine Dame um acht Uhr verstorben sei. Kurz danach rief mich dann auch die Enkelin an.

Berührend fand ich, dass sowohl die beiden Enkel, der älteste Sohn und die Schwiegertochter sich bei mir bedankt haben. Ich fragte an, ob ich an der Trauerfeier teilnehmen könnte und erhielt dann auch eine Todesanzeige. Zum Abschluss der Trauerfeier entzündeten alle Anwesenden ein zuvor am Eingang erhaltenes Teelicht und stellten es dann vor der Urne ab. Dies war auch mein persönlicher Abschluss für diese intensive Hospizbegleitung. Die Beisetzung fand dann zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis statt.

Mein persönliches Fazit: es war für mich eine kurze und beglückende Hospiz- beziehungsweise Sterbebegleitung. Mir kommt dabei zugute, dass ich sehr gut einen innerlichen Abstand halten kann, trotz all meines äußeren Mitgefühls für die Menschen, denen ich in diesem Prozess des Abschiednehmens begegnet bin" resümiert Barbara Vollberg.

Erfahrungsbericht Karin Kleu

Karin Kleu

Was mein Leben bereichert hat

Einblicke in ein Ehrenamt im Caritas-Hospizdienst

23. Juli 2018


Portrait von Karin KleuKarin Kleu ist ausgebildete, ehrenamtliche HospizhelferinErik Lehwald

Im Hauptberuf arbeitet Karin Kleu in einer stationären Pflegeeinrichtung in Düren. Im Alten- und Pflegezentrum St. Nikolaus der Caritas berät sie zu Fragen des Einzugs in das Seniorenwohnheim. 

"In meinem Berufsleben werde ich natürlich regelmäßig mit dem Tod und noch viel mehr mit der Phase vor dem Tod eines Menschen konfrontiert. Ich spürte, dass ich diesen Menschen in dieser letzten Lebensphase beistehen möchte" so Karin Kleu über ihre Motivation. Wichtig war ihr, nicht die Krankheiten und Gebrechen isoliert zu betrachten, sondern den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen, der an einer Krankheit leidet. Dabei sei es wichtig sein Umfeld, seine Familie, nicht zu vergessen. Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen benötigen sehr viel Zuwendung, menschliche Wärme, Aufmerksamkeit, Beistand und vieles mehr. 

Dies war Grund genug für den Pflegeprofi, neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit in diesem Bereich, auch noch den Caritas-Hospizkurs zu besuchen. Diese jährlich beginnende Ausbildung ehrenamtlicher Hospizhelfer richtet sich an jeden und jede, die sich einer solch anspruchsvollen Aufgaben stellen möchten. "Ich hatte mächtigen Respekt hiervor: wöchentlich drei Stunden Kurs in den Abendstunden, über ein ganzes Jahr war eine Herausforderung - aber eine, die sich sehr gelohnt hat" so Kleu.

In der Zeit der gemeinsamen Ausbildung lernten die bunt gemischten Teilnehmer Aspekte der hospizlichen Haltung kennen: Respekt vor dem Leben, Autonomie der Patienten, Umgang mit sehr begrenzten Ressourcen der Betroffenen und deren Angehörigen und den Ansatz zu unterstützen, statt selbst aktiv zu werden. "Wir lernten eine offene und mitfühlende Kommunikation zu pflegen - mit den Patienten, wie auch mit den Angehörigen. Ich habe während des Kurses viel nachdenken können über mein eigenes Leben, meine eigenen Erfahrungen mit dem Tod und über Verlusterleben allgemein." Die Vertiefung all dessen fand dann in der Praxis statt, in ihrer ersten Begleitung eines Menschen während des Kurses. "Diese Begleitung durfte ich in einer anderen stationären Einrichtung der Altenhilfe ausprobieren. Damit habe ich Haupt- und Ehrenamt getrennt" berichtet Frau Kleu über ihre besondere Situation, denn natürlich müssen die Menschen, die sich im Hospizdienst engagieren, keine Pflegeausbildung haben. Alle notwendigen Inhalte bekommen sie während dieser Ausbildung vermittelt.

Karin Kleu begleitet diesen Menschen nun bereits über zwei Jahre. "Jede Begegnung ist eine Bereicherung für mich und sie holt mich oftmals wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Auch über die Initialberührung zur Begrüßung und zum Abschied bekomme ich mit, dass ich erkannt bin. Wir sind verbunden und uns vertraut. Viele Übungen aus dem Kurs tun beiden gut", meint Frau Kleu. Sie fühlt sich gut durch die Ausbilderinnen vorbereitet. Nach der Ausbildung wird man ohnehin vom Caritas-Hospizdienst weiter begleitet und als Teil des Teams professionell betreut.

"Ich bin dankbar für diese Erfahrungen!" sagt Frau Kleu. "Sie haben auch mein eigenes Leben bereichert und werden für meine weitere Lebenszeit ein wichtiger Lebensinhalt bleiben."