Wenn das Geld für die Klassenfahrt, den Sportverein oder ein Treffen mit Freunden fehlt, wird Armut für Kinder und Jugendliche unmittelbar erfahrbar. Sie begrenzt nicht nur die finanziellen Möglichkeiten einer Familie, sondern kann auch Bildungschancen, soziale Kontakte und die persönliche Entwicklung beeinträchtigen. Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober rufen Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und Sozialdienst katholischer Männer (SKM) bundesweit zu den Armutswochen auf. In diesem Jahr steht die Armut junger Menschen im Mittelpunkt.
20% aller Kinder unter 18 Jahren in Deutschland sind laut Monitor Jugendarmut der BAG KJS armutsgefährdet. Aber auch im jungen Erwachsenenalter können finanzielle Einschränkungen die Möglichkeiten junger Menschen begrenzen, wie z.B. beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. So sind unter den 18 bis 25-jährigen sogar 25% der jungen Menschen armutsgefährdet. Fehlt die Unterstützung durch das Elternhaus, wird der Start in ein selbstständiges Leben zusätzlich erschwert.
Die ambulante Jugend- und Familienhilfe der Caritas Düren-Jülich erlebt täglich, wie sich finanzielle und materielle Armut im Familienalltag zeigen. Wenn das verfügbare Geld nicht ausreicht, fehlt es an Lebensmitteln, angemessener Kleidung oder einer ausreichenden Ausstattung der Wohnung. Notwendige Anschaffungen für Kinder sind schwer zu finanzieren. Besonders belastend ist die Situation für Familien, die trotz Erwerbstätigkeit oder nur knapp oberhalb bestimmter Einkommensgrenzen kaum Spielraum für zusätzliche Ausgaben haben. Die Folgen reichen weit über die materielle Versorgung hinaus. Können Kinder bei Ausflügen, Freizeitangeboten oder Vereinsaktivitäten nicht mitmachen, werden soziale Kontakte erschwert. Unterschiede zu Gleichaltrigen können das Gefühl verstärken, nicht dazuzugehören.
"Wir erleben, dass finanzielle und materielle Armut häufig mit sozialer und emotionaler Belastung verbunden ist. Wenn Kinder nicht an Aktivitäten teilnehmen können oder ihnen Dinge fehlen, die für andere selbstverständlich sind, wirkt sich das auf ihre Beziehungen und ihr Selbstwertgefühl aus. Armut kann so soziale Isolation begünstigen und Entwicklungsmöglichkeiten einschränken", sagt Marius Freuen, Leiter Ambulante Jugend- und Familienhilfe der Caritas Düren-Jülich. Er und sein 15-köpfiges Team begleiten Familien dabei, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen und vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten zu nutzen. Wo erforderlich, kann die Caritas Düren-Jülich außerdem mit Hilfe von Spendengeldern beispielsweise neue Kleidung oder Nachhilfe finanzieren. Auch Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket können helfen, Kosten für schulische Aktivitäten oder die Teilnahme am sozialen Leben zu decken. Allerdings sind entsprechende Angebote nicht allen Familien bekannt, und nicht jede Familie kann sie ohne Unterstützung erschließen. Mit Aktionen wie der jährlichen Wunschbaumaktion in Kooperation mit dem Dorint Hotel Düren werden zudem Weihnachtswünsche von betreuten Kindern erfüllt. Solche Hilfen können einzelne Belastungen abfedern.
Einmal arm, immer arm? Armut darf nicht über Zukunft entscheiden
Die Armutswochen beginnen am 17. Oktober, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, und enden am 16. November mit dem Welttag der Armen. Caritas, SkF und SKM wollen damit auf die Lebenssituation armutsbetroffener Menschen aufmerksam machen und für gesellschaftliche Verantwortung sensibilisieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie verhindert werden kann, dass sich soziale Benachteiligung über Generationen hinweg fortsetzt.