40,4 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erhielten 2023 eine Diagnose einer psychischen Störung in der ambulanten Versorgung, u.a. Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder schizophrene Erkrankungen (RKI). Trotzdem sind psychische Erkrankungen gesellschaftlich noch immer tabuisiert. Ein gebrochenes Bein ärztlich behandeln zu lassen, ist selbstverständlich. Bei einer psychischen Erkrankung ist der Weg zur passenden Hilfe dagegen schwieriger und bei den Betroffenen mit Scham verbunden. Der Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober möchte Sichtbarkeit schaffen, Vorurteile abbauen und Verständnis fördern.
"Es sollte selbstverständlich sein, sich bei einer psychischen Erkrankung genauso Hilfe zu holen wie bei einer körperlichen Erkrankung", sagt Heike Schäfer, Leitung Eingliederungshilfe der Caritas Düren-Jülich. "Dafür müssen wir offen über psychische Gesundheit sprechen und Menschen ermutigen, Unterstützung anzunehmen." Vieles, was für andere selbstverständlich ist, kann für Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu einer großen Herausforderung werden. Die Caritas begleitet im Kreis Düren Menschen mit psychischen Erkrankungen im Rahmen der ambulanten Betreuung. Dabei geht es um die Bewältigung des Alltags, z.B. bei der Wohnungssuche, bei finanziellen Herausforderungen, aber auch darum, wieder soziale Kontakte aufzubauen und am Leben im eigenen Umfeld teilzunehmen. "Durch Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen schaffen es die Menschen, wieder selbstständiger zu werden und ihren Alltag zu gestalten. Leider haben wir viel mehr Anfragen als wir annehmen können", so Heike Schäfer. "Wer den Mut fasst, Unterstützung zu suchen, darf nicht an fehlenden Angeboten oder zu großen Hürden scheitern."
Damit Menschen diese Unterstützung erreichen können, braucht es Aufklärung über die unterschiedlichen Hilfen und einen verlässlichen Zugang. Bereits heute bestehen Versorgungsengpässe in der psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung. Mit dem im Juli verabschiedeten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz kommen auf die ambulante Psychotherapie erhebliche Veränderungen zu. Ab 2027 werden bisher extrabudgetär vergütete psychotherapeutische Leistungen überwiegend budgetiert. Fachverbände befürchten dadurch eine Verknappung des Therapieangebots und einen weiter erschwerten Zugang zu dringend benötigten Therapieplätzen.
Psychische Gesundheit braucht gesellschaftliche Aufmerksamkeit und eine verlässliche Versorgungsstruktur mit einem Zusammenspiel unterschiedlicher Hilfen: medizinische und therapeutische Behandlung, Beratung, ambulante Betreuung und soziale Teilhabe.
Hintergrund
Der Caritasverband für die Region Düren-Jülich e.V. bietet im Kreis Düren ambulante Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen die individuelle Begleitung, der Aufbau von Vertrauen, die Förderung von Selbstständigkeit und die gesellschaftliche Teilhabe.